{Rezension} Der Liebhaber von Kan Takahama


Lesedauer: 3 Minuten

Die autobiographische Geschichte der Liebe zwischen einer jungen Französin und einem 12 Jahre älteren Chinesen im kolonialen Indochina ist weltberühmt. Kan Takahama hat Marguerite Duras‘ Bestseller als Comic umgesetzt – behutsam und berührend. Mit intensivem Blick und sensibler Intuition gelingt es der japanischen Künstlerin die knisternde Atmosphäre zwischen Melancholie, Emanzipation und Lust in sanft schillernden Bildern einzufangen.

Quelle: Carlsen Verlag

Bei Kan Takahamas Comic »Der Liebhaber« handelt es sich um eine Interpretation des gleichnamigen Romans der französischen Schriftstellerin Marguerite Duras aus dem Jahre 1984, dessen Handlung sich auf teils autobiographische Erfahrungen der Erzählerin im kolonialen Indochina (dem heutigen Vietnam) stützen.

Im Vorwort geht Kan Takahama stark auf Duras Roman, insbesondere der Bedeutung für sie selbst ein und nimmt somit für Leser*innen, die bisher noch nicht mit der Geschichte oder dessen Verfilmung von Jean-Jacques Annaud aus dem Jahre 1992 in Berührung kamen, einiges vorweg, ebnet damit jedoch gleichzeitig auch den Einstieg.

Die Geschichte wird von Takahama im Rückblick erzählt, bei dem wir die gealterte Protagonistin durch die Straßen begleiten und das Setting schließlich durch Rückblenden auf ihre Jugendzeit und der ersten sexuellen Liebesbeziehung durchbrochen wird.

Mit fünfzehn Jahren lebt Marguerite in ärmlichen Verhältnissen mit ihrer Mutter und ihren Brüdern in der französischen Kolonie Indochina und begegnet einen zwölf Jahre älteren Chinesen aus einer angesehenen Familie. Trotz oder vielleicht auch gerade aufgrund der Unterschiede in ihrer gesellschaftlichen Stellungen entspinnt sich zwischen den beiden eine typische Amour fou.

Kan Takahama fokussiert sich in ihrer Comicadaption auf die Beziehung zwischen der jungen Französin und dem älteren Chinesen, der sich nicht gegen seinen Vater durchsetzen kann und somit der alles durchdringenden Liebe keine Zukunft gibt. Am Rande erlebt man die Freundschaft des Mädchens zu einer Mitschülerin und die problematischen Verhältnisse in ihrer Familie.

Die intensive und aufwühlend dramatische Liebesgeschichte vor der exotischen Kulisse Südostasiens kommt in den klaren Bildern von Takahama sowie den verwendeten hellen Farben hervorragend zur Geltung.


Der autobiographische Romanstoff von Marguerite Duras wird von Takahama in mangaeske Bilder gegossen und erzählt eine intime Geschichte in der französischen Kolonie Indochina der 30er Jahre, die aufwühlend und berührend zugleich ist.

★★★★☆

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Titel: Der Liebhaber nach dem Roman von Marguerite Duras
Illustratorin: Kan Takahama
Übersetzerin: Miyuki Tsuji
Genre: Comic
Verlag: Carlsen Verlag
ISBN-13: 978-3551781567
Format: Gebunden
Seitenanzahl: 160 Seiten
Preis: 22,00 €
Erschienen: 27. Oktober 2020

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Kan Takahama, Jahrgang 1977, zählt zur jungen Zeichner-Avantgarde Japans. Ihre Geschichten von den Unwägbarkeiten der Liebe werden seit 2003 international veröffentlicht. Mit „Stille Wasser“ erscheint nun ihr erster Titel für das deutschsprachige Publikum.

Quelle: Carlsen Verlag


Die vollständig illustrierte Graphic-Novel-Adaption von Marguerite Duras Roman Der Liebhaber erscheint insgesamt gelungen – das Originalwerk kann dadurch jedoch nicht ersetzt werden.
Manga-Passion

Die tragische und gleichzeitig doch nüchterne Erzählung trifft mitten ins Herz.
pressplay, Benedict Thill

Takahama fängt die damalige Atmosphäre so gekonnt ein, dass man meint, die schwüle Hitze in den Gassen im Gesicht zu spüren und die beengende Schwatzhaftigkeit der Nachbarn im Ohr zu haben.
Der Tagesspiegel, Julia Frese

Comickunst

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3 Kommentare

  1. Hey Bella =)

    wie schön, dass du wieder am #ComicMärz teilnimmst! Und du gibst ja ein ganz schönes Tempo vor. Von deinen vier im März vorgestellten Comics finde ich diesen hier bisher am interessantesten, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass noch einige weitere spannende Beiträge dazukommen werden. Schön, dich dabeizuhaben.

    Viele liebe Grüße,
    Nico

    • Hi Nico,

      sehr gerne, auch wenn es wahrscheinlich wieder nur mit Rezensionen der Fall sein wird. Ich hatte eigentlich noch ein Special zu den Mumins und Tove Jansson geplant, weiß aber noch nicht ob ich es diesen Monat damit schaffe.

      Mein Tempo täuscht, bei mir hat sich über den Jahreswechsel einiges an Rezensionen, insbesondere zu Comics, angestaut. Es werden also noch einige Comicbesprechungen in den nächsten Wochen dazukommen :)

      Liebe Grüße
      Bella

      • Ich freu mich drauf! :) Und es macht überhaupt nichts, wenn das mit den Specials nicht klappt. Der #ComicMärz soll ja kein Stress, sondern ein schöner und spannender Themenmonat zu Comics sein.

        Liebe Grüße,
        Nico

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