{Rezension} Die Wächterinnen von New York von N. K. Jemisin


Lesedauer: 5 Minuten

Städte sind nicht nur sprichwörtlich, sondern im wahrsten Sinne des Wortes lebendig. Als New York City erwacht gibt es Komplikationen bei der Geburt, denn die Stadt sucht sich nicht nur einen Avatar, der sie verkörpert und beschützt, sondern auch gleich für jeden Stadtteil eine eigene Wächterin oder Wächter. Denn ein erster Kampf gegen Kräfte, die neu geborene Städte bedrohen, hat New Yorks Avatar so stark geschwächt, dass dieser seine Aufgabe nicht wahrnehmen kann. Nur gemeinsam kann es den Wächterinnen New Yorks gelingen, ihren Avatar und damit die gesamte Stadt zu retten. Doch die Zeit tickt, denn der Feind hat sich längst unter sie gemischt…

Die amerikanische Fantasy- und Science-Fiction-Autorin N. K. Jemisin ist schon längst kein Geheimtipp mehr, dennoch bin ich erst durch ihren neuesten Roman »Die Wächterinnen von New York« mit ihrer Arbeit in Kontakt gekommen. Und was für ein wunderbarer Erstkontakt das war!

In ihrer Geschichte setzt sich N. K. Jemisin mit der Weltmetropole New York City und den fünf unterschiedlich geprägten Stadtbezirken auf kreative und bewegende Art und Weise auseinander. Nach einem ersten Besuch in der Stadt, die niemals schläft, wurde ich großer Fan dieser faszinierenden multikulturellen Welt, sodass ich bereits zwei weitere Male dorthin gereist bin. Allerdings habe ich immer noch nicht alle Stadtteile kennengelernt, dafür hat nun aber N. K. Jemisin mit »Die Wächterinnen von New York« gesorgt.

So jung, und schon ein Herzkasper; armer Junge, hätte mehr Biolebensmittel essen sollen; hätte es entspannter angehen und nicht so wüten sein sollen; die Welt kann dir nichts antun, wenn du einfach ignorierst, was alles Scheiße daran ist; na ja, bis sie dich halt umbringt.
Seite 24


Die Idee einer tatsächlich lebendigen Stadt, die geboren und durch einen Avatar in Menschengestalt beschützt wird, hat mir unheimlich gut gefallen. Doch wie das bei einer Geburt eben ist, kann es auch zu Schwierigkeiten kommen und genau das passiert als das frisch geschlüpfte New York angegriffen und geschwächt wird, sodass sich die Stadt fünf Wächterinnen und Wächter auswählt.

»Manhattan ist auf dem Dach eines Taxis angerollt gekommen und hat sich mir ziemlich unverschämt vorgestellt; typisch. Brooklyn, abgehoben und arrogant, wie sie so ist, kam ihm zu Hilfe, als ich versucht habe, mich wiederum ihm vorzustellen.«
Seite 132

Die unterschiedlichen Wächterinnen und Wächter verkörpern die Eigenschaften ihrer Bezirke Manhattan, Brooklyn, Bronx, Queens und Staten Island durch und durch. Manny ist ganz neu in der Stadt und verkörpert mit seinem tief im inneren gnadenlosen Charakter Manhattan, für das aufstrebende Brooklyn steht die schwarze Stadträtin und ehemalige Rapperin Brooklyn ›MC Free‹ Thomason ein, die wilde Bronx wird durch Bronca, der lesbischen Kuratorin einer Galerie vertreten, Queens durch die indische Studentin und Mathe-Queen Padmini und das konservative Staten Island manifestiert sich in Aislyn, der behüteten Tochter eines Polizisten.

»Die Bronx ist ein Stadtteil von wütenden, argwöhnischen Menschen, die überall Verrat wittern; sie ist schlau, und ich muss meine Kontaktaufnahme sorgfältig planen.«
Seite 132

Jemisins Beschreibungen ihrer Protagonisten/Stadtteile sind unglaublich detailverliebt, sodass ich mir sicher bin, dass bessere New-York-Kenner noch viel mehr aus diesem Roman ziehen können, als ich es vermochte. Eines gelingt aber auf jeden Fall, auch für Ortsunkundige entsteht hier eine lebendige Welt, in der man sich durch den ausführlichen Weltenaufbau leicht zurechtfindet.

Spannung mit lovecraftschen Monstern kommt zwar immer wieder ins Spiel, aber dominiert die Story nicht. Vielmehr stehen die diversen Persönlichkeiten der Stadtteile im Vordergrund und lassen mit ihren Konflikten auch einen Blick auf reale Probleme werfen. Der noch immer tagtäglich stattfindende Rassismus gegenüber anderen Kulturen oder People of Colour ist somit ein großer Bestandteil von N. K. Jemisins Roman und verleiht diesem eine Note, die unter die Haut dringt.

»Die Wächterinnen von New York« ist wirklich ein grandioser Roman, voll starker Superheld*innen und ein außergewöhnliches Porträt New York Citys. Allerdings darf man keine allzu temporeiche Action erwarten, diese gibt es gut dosiert zwischendurch, der Fokus liegt aber ganz beim Worldbuidling, welches für mich noch ein paar Fragen offen lies. Man könnte auch sagen, diese Roman liest sich wie ein extrem ausführlicher Prolog (leider mit ein paar Längen), der Neugierig auf mehr macht. Daher hoffe ich sehr, dass es bei dieser ursprünglich auf eine Trilogie ausgelegte »The Great Cities«-Reihe bald weitergehen wird.


Ein absolut faszinierender Science-Fiction-Roman, der den kulturellen Schmelztiegel von New York City lebendig werden lässt, mit Diversität glänzt und den immer noch gegenwärtigen Rassismus offenlegt.

★★★★½

*WERBUNG*


Titel: Die Wächterinnen von New York
Reihe: The Great Cities (1 von X)
Originaltitel: The City We Became
Autorin: N. K. Jemisin
Übersetzer: Benjamin Mildner
Genre: Science Fiction
Verlag: Tropen (Klett-Cotta)
ISBN-13: 978-3608500189
Format: Gebunden
Seitenanzahl: 544 Seiten
Preis: 25,00 €
Erschienen: 19. März 2022

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N. K. Jemisin ist eine in Brooklyn lebende Autorin und die erste Gewinnerin von drei Hugo Awards in Folge. Zuletzt gewann sie den Locus Award für Die Wächterinnen von New York. Neben insgesamt vier gewonnen Hugo Awards wurden ihre Kurzgeschichten und Romane mehrfach für den World Fantasy, Locus und Nebula Award nominiert und standen auf der Shortlist für den Crawford und den James Tiptree, Jr. Award. Sie ist Science-Fiction und Fantasy-Rezensentin für die New York Times.

Quelle: Klett-Cotta


Die Geschichte strotzt nur so vor kreativen Einfällen und frischen Ideen, mensch könnte meinen, dass hier ganze Genres neu erfunden werden. Beeindruckend, was Jemisin da wieder geschaffen hat.
Im Buchwinkel

Meine Erwartungen an Die Wächterinnen von New York von N. K. Jemisin waren unermesslich hoch und wurden dennoch bei weitem übertroffen!
Letterheart

[…]außergewöhnliche Urban Fantasy, gepaart mit greifbaren und komplexen Charakteren, jede*r so einzigartig wie das Leben selbst, mit eigener Vergangenheit und noch unklarer Zukunft.
faanielibri

Ein im wahrsten Sinne des Wortes herausragender Science-Fiction Roman.
Schreiblust Leselust

Die Idee der lebendigen Städte fand ich schon gut, aber mir fehlten inhaltlich ein paar mehr Details, damit dieser Roman ein stimmiges Gesamtbild liefert.
Der Büchernarr

„Die Wächterinnen von New York“ ist ein wundervoller, facettenreicher und spannender Auftakt einer Fantasy-Trilogie.
Steffis Lesezimmer

Es fiel mir schwer an diesem Buch dran zu bleiben.
Sannes Bookcatalogue

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4 Kommentare

  1. Hey Bella,

    eine interessante und ausführliche Rezension war das. Ich fand es spannend zu lesen, wie du mit der großen New York-Vorerfahrung die Gerichte erlebt hast. Vielen Dank für die Verlinkung :)

    Liebe Grüße,
    Nico

    • Hallo Nico,

      sehr gerne und vielen Dank für dein liebes Feedback :)
      Hoffentlich bekommen wir bald eine Fortsetzung dazu.

      Herzliche Grüße
      Bella

  2. Hallöchen meine Liebe,

    ich bin schon bei Jill und Nico auf das Buch gestoßen. Allerdings bin ich immer noch nicht ganz so überzeugt. Das klingt schon grandios, doch die Muse muss mich da wohl noch für knutschen, damit ich es mir zulege.
    Auf jeden Fall bin ich gespannt, ob weitere Bände kommen, übersetzt werden und welche Städte ggfs. Noch eine Rolle spielen.

    Liebe Grüße
    Tina

    • Liebe Tina,

      da würde ich an deiner Stelle auch am besten noch abwarten, was noch kommt. Ich werde auf jeden Fall berichten, wenn es einen neuen Band gibt ;)

      Herzliche Grüße
      Bella

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