Kolumne

Mittelerde, Narnia und Co. | Der Reiz fantastischer Welten*

Fantasiewelten begeistern mich mit ihrer grenzenlosen Vielfalt schon seit Jahren und der stetig wachsende Markt an Bücher, Hörbüchern, Filmen, Games etc. zeigt, dass die Nachfrage nach solchen Fluchtmöglichkeiten aus dem Alltag enorm ist. Was reizt uns an diesen Welten so?

Lesedauer: 2 Minuten

»Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.«
Albert Einstein

Seit Jahrhunderten beweisen Schriftstellerinnen und Schriftsteller, dass uns ihr Phantasiereichtum an alle nur erdenklichen Orte bringen kann.

Drachen, Zwerge, Zauberer und viele andere paranormale Wesen und Lebensformen werden in unseren Köpfen lebendig und es wird mit alternativen Gesellschaftsformen gespielt. In unserer Phantasie sind wir frei und deshalb eröffnet sich uns dort auch ein unbegrenzter und unendlicher Raum an Möglichkeiten. Daher sind Fantasiewelten in unzähligen Genre, von der Kinder- und Jugendliteratur über Fantasy und Dystopie bis hin zur Science-Fiction zu Hause.

Egal welche Größe die fiktive Welt aufweist, wie detailliert sie ausgearbeitet wurde, ob sie auf unserem bekannten Planeten (wie z. B. Cassandra Clares Schattenjäger-Welt), einem erdachten Land (wie z. B. Walter Moers ›Zamonien‹) oder in einem weit entfernten Universum (wie z. B. ›Star Wars‹) liegt, die Faszination des Unbekannten und Neuen weckt den Entdeckergeist in uns und manche Fantasiewelten sind dabei so erfolgreich, dass diese aus der Popkultur gar nicht mehr wegzudenken sind.

Das grenzenlose Spielfeld der Phantasie in Kombination mit unserer Vorstellungskraft ermöglicht es uns in Traumlandschaften zu schwelgen und uns Visionen alternierender Wirklichkeiten hinzugeben, fernab vom Stress des Alltags. Zwischen Papierkram und Wocheneinkauf lassen uns die Geschichten über mutige Hobbits, lyrische Lindwürmer und mächtige Magier wundersame Abenteuer erleben.

»Logik bringt dich
von a nach b.
Deine Phantasie bringt dich überall hin.«
Albert Einstein

Das Schöne an Fantasiewelten, sie folgen ihrer eigenen Logik und können physikalische Kräfte vollkommen außer Kraft setzen, deshalb liebe ich seit meiner Kindheit die Nonsens-Geschichten über ›Alice im Wunderland‹ und habe seither die Tür zu dutzend weiteren phantastischen Welten überschritten.

Der Reiz von Fantasiewelten liegt für mich im Speziellen darin, dass es hier eine so große Vielfalt gibt, von humorvollen Geschichten über albtraumhafte Zukunftsvisionen und epischen Sagen bis hin zu galaktischen Weltraumabenteuern, wird so einiges geboten. Dieser Abwechslungsreichtum lässt keine Langeweile aufkommen und es gibt unzählige erdachte Welten und Universen zu erkunden, deren Vielfalt mit den Jahren so einige Subgenres hervorgerufen hat und immer noch zunimmt.

Im Audible Magazin findet ihr ›Die bekanntesten Fantasiewelten‹, eine kleine Analyse des Begriffes, insbesondere der Merkmale und Unterschiede zwischen Fantasiewelt und fiktivem Universum, und einige Inspirationen für das nächste (Hör)buch-Abenteuer.

Wie ist es bei dir? Was macht für dich den Reiz aus, in Fantasiewelten abzutauchen? Oder kannst du damit vielleicht überhaupt nichts anfangen?

*Dieser Artikel ist in freundlicher Zusammenarbeit mit Audible entstanden.

#Femtember | Rachilde – Unbekannte Ikone der queeren Literatur

In meinem Beitrag zum #Femtember, der von Nico von »Im Buchwinkel« initiiert wurde, möchte ich euch die französische Schriftstellerin Marguerite Eymery alias Rachilde vorstellen, die Ende des 19. Jahrhunderts mit ihren Büchern und den darin behandelten ruchlosen Themen sowie ihrer emanzipierten Art für Aufregung sorgte. In Deutschland ist Rachilde und ihr Werk kaum bekannt und so möchte ich mit meiner heutigen Kolumne einen Beitrag dazu leisten diese Ikone der queeren Literatur wieder sichtbar zu machen.

Marguerite Eymery wurde am 11. Februar 1860 als einziges Kind eines Offiziers der französischen Armee geboren. Ihre Mutter war die Tochter eines Zeitungsverlegers und stammte aus einer alteingesessenen Familie, die den Schriftsteller Brantôme zu ihren Vorfahren zählen. In der einsamen Abgeschiedenheit des Familienanwesens »Le Cros« wuchs Marguerite zu einem Mädchen heran, dass wie ein Junge erzogen wurde und durch eine schwierige Beziehung zu ihrer Mutter ein beeinträchtigtes Verhältnis zum weiblichen Geschlecht entwickelte. Mit Zwölf fing Marguerite zu Schreiben an und wurde in einem Brief von Victor Hugo in ihrem Tun ermutigt.

Mit 14 Jahren soll Marguerite schließlich verheiratet werden, doch sie entzieht sich durch einen versuchten Suizid der Vermählung und der damit einhergehende Bevormundung durch einen Ehemann. Ein Jahr später nahm Maguerite den Künstlernamen Rachilde an. Bereits 1877 veröffentlichte sie ihre ersten Artikel und Erzählungen für die regionale Zeitung, ein Jahr später fasste sie den Plan nach Paris zu gehen und Schriftstellerin zu werden, welchen sie 1881 in die Tat umsetzte.

1884 gelang Rachilde, die Männerkleidung trug und das verwirrende Spiel mit Geschlechterrollen beherrschte, der literarischer Durchbruch mit ihrem Roman »Monsieur Vénus«, der aus Angst vor der französischen Zensur in Belgien veröffentlicht wurde, wo sie zu zwei Jahren Haft und einer Geldstrafe verurteilt wurde. Da die tabulose Schriftstellerin jedoch nicht nach Belgien einreiste, konnte die Strafe nicht vollstreckt werden.

Die Zerlegung der althergebrachten Rollenbilder und Demaskierung der Vorstellungen von Mann und Frau betreibt sie auch in ihren kommenden Romanen »La Marquise de Sade« (1887) und »Madame Adonis« (1888).

Bis zu ihrer Heirat mit dem Schriftsteller und Herausgeber Alfred Vallette 1889 trug Rachilde Männerkleidung. Zusammen bekamen sie eine Tochter, die sie Gabrielle nannten und gründeten 1890 den »Mercure de France«, die führende Literaturzeitschrift des Symbolismus, in der sie bis 1925 als Autorin und Kritikerin schrieb. Neben dieser Tätigkeit veröffentlichte Rachilde zahlreiche Romane und Kurzgeschichten, die auch unter den Pseudonymen Jean de Chilra und Jean de Chibra erschienen, welche immer wieder Themen wie sexuelle Identität, Androgynie, Geschlechterkonventionen Emanzipation und Transsexualität behandeln.

In den Räumlichkeiten des »Mercure de France« fanden zudem Künstlertreffen mit namhafter Pariser Autoren des Fin de Siècle statt, darunter waren auch Gäste wie Oscar Wilde. Rachilde war Teil der avantgardistischen Literaturzirkel und bot mit einem Literatursalon bis zum Tod ihres Ehemannes eine Diskussionsplattform für bedeutende Autoren.

Rachildes Vermächtnis ist heute zum großen Teil vergessen, dennoch lässt sie sich neben Colette und Coco Chanel zu den wenigen einflussreichen Frauen des französischen Dekadentismus zählen. Mit ihrer modernen Lebensweise und ihrem Kampf um die Akzeptanz der diversen Sexualitäten war die junge Schriftstellerin eine beeindruckende Vordenkerin und Wegbereiterin der queeren Literatur, die lange ihrer Zeit voraus war und schon Ende des 19. Jahrhunderts die Grenzen der Geschlechter aushebelte und patriarchalische Gesellschaftskonstrukte dekonstruierte, um geltende Schranken und Konventionen zu Fall zu bringen.

Bisher wurde nur »Der Panther« (1989, Bouvier) dieser beeindruckenden Persönlichkeit ins Deutsche übersetzt. Ich freue mich sehr, dass im September der einstige Skandalroman »Monsieur Vénus« zum ersten Mal in der deutschen Übersetzung im Reclam Verlag erscheinen wird und blicke dieser Veröffentlichung äußerst gespannt entgegen!

»Monsieur Vénus« | Rachilde

Der Titel des Romans ist erzählerisches Programm – hier werden die Geschlechterordnung und -grenzen gründlich durcheinandergewirbelt: Raoule de Vénérande, ihres Zeichens wohlhabende, junge Pariser Adlige, verliebt sich in Jacques Silvert, einen jungen Mann aus einfachen Verhältnissen, der seinen Lebensunterhalt mit Kunstblumen verdient. Sie macht Jacques – nach allerlei Liebschaften beider zu anderen Personen diverser Geschlechter – zu ihrer Geliebten und schließlich zu ihrer Frau. Die französische Literatin mit dem – eher männlich gelesenen – Pseudonym Rachilde schrieb Monsieur Vénus im Paris der 1880er Jahre mit Anfang 20. Sie verstieß mit ihrem Roman so vehement gegen die gesellschaftlichen und sexuellen Konventionen ihrer Zeit, dass das Werk ihr eine Geld- und Haftstrafe einbrachte und nur in einer entschärften Fassung erscheinen konnte.

Zum ersten Mal auf Deutsch – in der vollständigen Originalversion und mit einem Nachwort der Literaturwissenschaftlerin und Expertin für weibliches Schreiben Martine Reid.

Quelle: Reclam Verlag

Weibliches Dandytum

Die Begrifflichkeit Dandy stammt aus dem 18. Jahrhundert und beschreibt Männer, die sich durch einen eleganten und auffälligen Kleidungsstil, Kultiviertheit, formvollendetes Auftreten und die guten Manieren eines Gentlemans auszeichnen.

Die Vertreter des Dandyismus sind bis ins 19. Jahrhundert zu finden und stammen zumeist aus der Künstler-, Schreiber- oder Dichter-Szene, die sich gegen die engen gesellschaftlichen Sitten stellten und eine ganz eigene Lebensphilosophie verfolgten. Der Dandy neigt zu einer starken Selbstinszenierung, genießt die Unabhängigkeit von jeglichen Zwängen, die Arbeit oder Eheleben mit sich bringen würden, und ihm wird ein eher ungezwungenes Verhältnis zum Geld nachgesagt.

Rachilde schreibt in »Monsieur Vénus« über die wohlhabende junge Adelige Raoule, die als Pendant zum männlichen Dandy angesehen werden kann, eine sogenannte Femme Dandy. Vertreterinnen der weiblichen Form des Dandytums, Dandette, sind vergleichsweise wenig bekannt. Doch auch sie haben sich nach mehr Modernität gesehnt und mit Kräften daran gearbeitet althergebrachte Strukturen aufzubrechen.

Quelle Grafik: Pixabay

Liest du noch, oder hörst du schon? [*Anzeige]

Lesen ist eine meiner absoluten Lieblingsbeschäftigungen in der Freizeit, gerade weil dieses Hobby eine wirklich farbenprächtige Palette mit tollen Momenten, Erfahrungen bietet und man alleine durch die Genrevielfalt eine ganz besondere Bandbreite zur freien Auswahl zur Verfügung hat. Gemütlich bei einer Tasse Tee, Kaffe oder Kakao die Seiten umzublättern, an der Druckerschwärze zu schnuppern um dann von einem zum nächsten Moment in eine andere Welt eintauchen zu können ist ein phantastisches Erlebnis und bedeutet für mich DIE WOHLFÜHLATMOSPHÄRE PUR.

Im hektischen Alltag zwischen Bügelwäsche, Putzen, Arbeit und Fahrten mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln sind die Lücken für solch tolle Lesemomente leider nicht immer gegeben. Genau für solche Situationen sind Hörbücher die perfekte Ergänzung für mich, auch wenn man diese zwei Medien nicht direkt miteinander vergleichen kann und es zwei vollkommen verschiedene Erlebnisse für mich sind. Mit der Frage, ob man Hörbuch-Hören mit dem klassischen Lesen gleichsetzen kann habe ich mich bereits hier befasst.

Phasenweise greife ich jedoch sehr gerne auf Hörbücher zurück, vor allem dann, wenn das Buch von einem guten Sprecher eingelesen wurde. Am liebsten gibt es dann einen spannenden Thriller, etwas Phantastisches oder Humorvolles auf die Ohren. Mit diesen Hörvorlieben passe ich jedoch so gar nicht in den Audible-Atlas, der die Genre-Vorlieben der Bundesländer abbildet, denn in Baden-Württemberg hört man eher Lebensführungs-Ratgeber und Biographien.

Konfuzius sagt

Ich wurde in Baden-Württemberg geboren und lebe auch heute noch in diesem Bundesland. Dort werden laut Atlas vor allem Hörbuch-Ratgeber zu Leben und Gesundheit konsumiert oder auf Biografien zurückgegriffen. Nach meinem bisherigen Lese- und Hörgeschmack würde ich daher viel besser in den Norden passen. Doch wie heißt es so schön: Sag niemals nie! Immerhin warten in meiner Hörbibliothek schon die Titel „Hygge: Ein Lebensgefühl, das einfach glücklich macht“ von Meik Wiking und „Die Menschheit hat den Verstand verloren“ von Astrid Lindgren.

Außerdem hatte ich immerhin schon einmal Berührung mit diesem Genre, als ich durch Zufall einen Beitrag mit Helge Timmenberg gesehen habe und diese Erzählstimme einfach so Klasse fand, dass ich gleich getrieben von meiner Neugier, „Die Märchentante, der Sultan, mein Harem und ich“ gehört habe.


Magischer Norden

Vor allem in Niedersachsen wo sich zur Walpurgisnacht die Hexen zum Tanzen auf dem Bocksberg treffen, außerdem in Bremen und Schleswig-Holstein sind die Fantasyhörer zu finden. Dieses Genre gehört mit zu meinen Lieblingsbereichen in der Literatur und so habe ich auch schon dem ein oder andere phantastischen Hörbüch gelauscht. Sehr empfehlenswert sind meiner Meinung nach vor allem Titel aus der High Fantasy, von Meistern wie J. R. R. Tolkien oder Joanne K. Rowling.


Lacher garantiert

Gerade die humoristischen Romane bekommen in der Hörbuchversion noch eine wichtige Ebene hinzu. Der Erfolg des Hörbuchs steht und fällt hier mit der Umsetzung und Interpretation des Sprechers. Humorvolle Hörbücher wissen laut Audible-Atlas vor allem die Menschen in Sachsen zu schätzen. Bisher habe ich bei der Hörbuchauswahl in diesem Genre ein gutes Händchen bewiesen, denn egal ob Christoph Maria Herbst in seiner genialen Inszenierung von Tim Vermurs „Er ist wieder da“, Ralf Schmitz oder Eckhart von Hirschhausen bei der Lesung ihrer eigenen Werke – diese Hörbücher sind ein kurzweiliges Vergnügen und bieten garantiert ein gutes Trainingsprogramm für die Lachmuskeln.


Love is in the air

Romantische Hörbuch-Hörer sind vor allem in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zu Hause. Doch mal ehrlich – es gibt doch bei jedem Liebesgeschichten-Liebhaber eine Zeit in der Liebe in der Luft hängt, vollkommen unabhängig in welchem Bundesland man lebt. Auch ich selbst habe Phasen in denen ich eine Lovestory nach der anderen verschlinge bis mich die nächste Genrephase ergreift.


…uuuund Action!

Es gibt doch nichts besseres, als sich bei einem guten Psychothriller in eine Decke einzukuscheln und gespannt dem rauschenden Blut in den Adern zuzuhören. Das finden wohl auch die Hörer in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. Besonders spannend liest z. B. David Nathan in diversen Stephen King Hörbüchern, der unter anderem die deutsche Synchronstimme von Johnny Depp, Christian Bale und Paul Walker ist.

Spannendes aus der Region mit einer guten Portion Humor wird dagegen vorrangig in Bayern, Hessen und Baden-Württemberg gehört. Die Vielfalt ist vor allem bei den bayerischen Regionalkrimis mit der erfolgreichen Franz-Eberhofer-Reihe von Rita Falk, die von Comedian und Schauspieler Christian Tramitz eingesprochen wurde, riesig. Neben „Dampfnudelblues“ gibt es z. B. auch noch die Krimis über Kommissar Kluftinger von Klüpfl & Kobr.


Houston, wir haben ein Problem!

Auf nach Berlin zum Sitz des Deutschen Zentrums für Raumfahrt und ab in die Weiten des Weltalls, denn vor allem in unserer Hauptstadt werden galaktische Science-Fiction Hörbücher geladen. Das kann ich nur zu Gut verstehen, denn alleine schon der Klassiker „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams ist durch die Lesung von Christian Ulmen ein Hörgenuss den man sich nicht entgehen lassen sollte. In Bremen und Hamburg wird auch gerne zum Handtuch gegriffen, die wohl nützlichste Sache um ein Weltraumabenteuer zu überstehen.

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