In 28/7 um die Welt | Südamerika

Lesedauer: 6 Minuten

Willkommen an Bord bei der literarischen Weltreise von Buchperlenblog & Bellas Wonderworld »In 28/7 um die Welt«. Nach unserem letzten Aufenthalt in Nordamerika darf ich euch heute auf einen Streifzug durch Südamerika mitnehmen.


Südamerika, der südlich gelegene Teil des amerikanischen Doppelkontinents, umgeben vom Atlantischen und Pazifischen Ozean und im Norden durch die Landenge von Panama mit Nordamerika verbunden. Die besondere Lage des Kontinents macht die Länder zu einem Archipel der Kultur und großen Artenvielfalt, dass schon früh Forschungsreisende wie Maria Sibylla Merian oder Alexander von Humboldt anzog.

Mit Gabriela beginnt die Reise durch Südamerika in Brasilien mit einer ruhigeren Geschichte fernab der touristischen Hochburgen, weiter geht es mit mir nach Peru wo der Amazonaswald mit seinen Geheimnissen lockt, dann steht ein Aufenthalt mit Gabriela und einer historisch inspirierten Geschichte in Chile an, bevor ich euch mit nach Argentinien in die tiefste Provinz mitnehme.


Die Stationen:

Gabriela: Brasilien

Bella: Peru

Gabriela: Chile

Bella: Argentinien

Brasilien

Adriana Lisboa – »Der Sommer der Schmetterlinge«

Kommen wir nun zum flächenmäßig größten Land Südamerikas: Brasilien. Hier finden wir sie, die tropischen Regenwälder, die in ihrer unermesslichen Reichhaltigkeit an Flora und Fauna zu den schützenswertesten Gebieten der Erde zählen sollten. Doch auch große Städte wie São Paulo oder Rio de Janeiro laden zum Verweilen und Staunen ein. Denken wir an Brasilien, haben die meisten von uns mit Sicherheit leuchtende Kostüme und rauschende Karnevals-Umzüge im Sinn. Doch Brasilien kann auch anders, ruhig, nachdenklich. Wie in der Geschichte, die mich nach Brasilien locken möchte.

Die beiden Schwestern Clarice und Maria Inês wachsen wohlsituiert im brasilianischen Hinterland auf. Auf den ersten Blick verläuft ihre Kindheit harmonisch und behütet, tatsächlich aber teilen die Mädchen dunkle Geheimnisse, die jeden ihrer Schritte begleiten. Viele Jahre später, nach dem Tod der Eltern, treffen sie in einer schicksalhaften Nacht in ihrem Heimatdorf wieder aufeinander und bringen all die unausgesprochenen Wahrheiten endlich ans Licht.

In Rezensionen zu diesem Buch las ich von einer wunderschönen, ja geradezu perfekten Sprache, Sätze, die nachhallen, die die Geschichte zu etwas ganz besonderem machen. Was meint ihr, wollen wir nicht selbst herausfinden, was dieses Buch zu etwas so besonderem macht?

Peru

Sabrina Janesch – »Die goldene Stadt«

Peru, das Land an der Pazifikküste lockt mit seinen Kolonialstädten und der verheißungsvollen Legende über die Goldstadt Eldorado genauso, wie mit der alten Inkastadt Machu Picchu hocherhoben in den Anden, welche zu den neuen sieben Weltwundern zählt.

Am besten greift man, um diese geheimnisvolle Welt und die Kultur Perus zu erkunden, zum bildgewaltigen Abenteuerroman »Die goldene Stadt« von Sabrina Janesch, in dem auch historische Fakten eingeflossen sind, denn die begabte Schriftstellerin liefert eine mitreißende Story über den deutschen Ingenieur und Unternehmer Rudolph August Berns, welcher 1867 die im 15. Jahrhundert erbaute Inkastadt Machu Picchu wiederentdeckte.

Nun waren es nur noch wenige Tage, bis sie in Peru sein würden. Mit dem Solinger Messer, das Max ihm geschenkt hatte, schnitzte Rudolph ein Wort immer wieder in die Balken neben seiner Koje: Do-ra-do, ein Wort oder drei? Do-Ra-Do, Do-Ra-Do, ein Wort, das wieder anfing, kaum dass es zu Ende gegangen war, ein Zauber, der aus sich selber hervorging, sich auslöschte und zugleich neu erschuf.
»Die goldene Stadt«, Seite 136


Gemeinsam mit Rudolph August Berns entdeckt man den Dschungel mit all seinen Gefahren und seiner Schönheit und bekommt zudem ein gut ausgearbeites Gesamtpaket, das mit einem bestechenden Setting der damaligen Zeit in Kombination mit dem exotischen Flair des südamerikanischen Schauplatzes in seinen Bann zieht.

Der Roman kommt einer spannenden Biografie gleich, die jedoch zum größten Teil von der Autorin selbst ersonnen wurde, hierbei fügen sich jedoch immer wieder historisch belegte Details (welche am Ende des Romans aufgezeigt werden) nahtlos in die Geschichte ein. Wer hat jetzt Lust bekommen etwas über Peru und seine Inkastadt zu lernen?

Chile

Anja Jonuleit – »Rabenfrauen«

Während der Norden des amerikanischen Kontinents häufiger Schauplatz diverser Romane ist und man hier Literatur in Hülle und Fülle findet, ist es bei seiner südlichen Hälfte schon ein wenig schwieriger. Denkt man an Südamerika, sieht man vermutlich als erstes weite Flächen grünen Regenwaldes vor sich. Dichter Dschungel, verborgene Geheimnisse, alte Mysterien und untergegangene Zivilisationen. Doch auch fernab der grünen Lunge der Erde finden sich interessante Regionen und spannende Geschichten. Chile zum Beispiel, dessen Landesname sich alten Überlieferungen zufolge aus einem Wort der indigenen Bevölkerung Aymara ableitet: chilli – was so viel wie “Der Rand der Welt” bedeutet.

In Anja Jonuleits von wahren Begebenheiten inspirierten Roman Rabenfrauen weilen wir allerdings zunächst in heimischen Gefilden, bevor es dann ab nach Chile geht.
Deutschland, Sommer 1959. Christa und Ruth lernen beim Baden den gutaussehenden, hünenhaften Erich kennen, der mit einigen anderen Freikirchlern auf der Wiese in der Heide kampiert. Von ihm magisch angezogen, folgen beide Mädchen dem jungen Mann in den Kreis der Gläubigen, folgen ihm in die Umarmung Paul Schäfers. Der einen gelingt es noch rechtzeitig, die Reißleine zu ziehen, doch für die andere wird sich von diesem Moment an ihr Leben verändern. Ein Leben, gelebt in Chile, gelebt in der Colonia Dignidad.

Rabenfrauen beschäftigt sich mit dem Schicksal zweier junger Frauen, die mit der Sekte in Berührung kamen. Ruth konnte sich gegen den Sog wehren, den diese Glaubensgemeinschaft ausübte, doch Christa war ihr erlegen. Sie bricht Stück für Stück ihr altes Leben ab, sie verschanzt sich hinter den immer höher werdenden Zäunen der Freikirchler. Als sie nach Chile auswandern, tut sie es aus freien Stücken. Zumindest zum Teil. Denn die Gemeinschaft übt Druck auf ihre Mitglieder aus, lässt sie von Sonnenaufgang bis Mitternacht arbeiten, beichten wird zum Muss. Niemand darf etwas geheim halten, alles wird der Gemeinschaft erzählt. Es folgen Bespitzelung und Denunzierung der Mitglieder, Vertrauensbrüche und Isolation. Fleischespest, so nennt Onkel Paul die Anziehung zwischen Mann und Frau. Er trennt Familien, Frauen von ihren Männern, Kinder von ihren Eltern. Doch selbst vergeht er sich Abend für Abend an den kleinen Jungen, die in dem Lager leben. An Flucht ist nicht zu denken, denn der chilenische Staat steht hinter der Kolonie der Würde.

Historisch belegt und doch in den Köpfen von so vielen verschüttet, gräbt die Autorin ein Stück deutscher Geschichte aus, und verpackt sie in einen fesselnden Roman, bei dem einem die Haare zu Berge stehen.

Lange Zeit habe ich geglaubt, dass Erich an allem schuld war. Dass all das ohne ihn niemals geschehen wäre. Ich habe meinen Hass auf ihn genährt, und erst jetzt, da ich kurz vor meiner großen Reise stehe, frage ich mich manchmal, ob nicht auch er ein Opfer war. Wie Christa und all die anderen, die wie die Lemminge auf den Abgrund zusteuerten. Obwohl es mir schwerfällt, die mit den Knüppeln als Opfer zu sehen.
»Rabenfrauen«, Seite 9

Argentinien

Camila Sosa Villada – »Im Park der prächtigen Schwestern«

Argentien ist nach Brasilien der zweitgrößte Staat Südamerikas und grenzt im Westen an Chile, zu ihm zählen Teile der Anden, Gletscherseen und die weitläufigen Pampas, die als Weideland für die berühmten argentinischen Rinder dienen. Denkt man an Argentinien kommt einen unweigerlich auch der Tango in den Sinn für den das Land bekannt ist. Wusstet ihr, dass sich der Landesname vom lateinischen Wort für Silber (argentum) ableitet, denn in der spanischen Kolonialzeit hoffte man jenes Edelmetall dort zu finden.

Entsprechend der vielfältigen Klimazonen Argentiniens spiegelt sich ein Reichtum an unterschiedlichsten Tieren und Pflanzen auf diesem Fleckchen Erde. Da es bei den Menschen nicht anders ist und auch hier VIELFALT großgeschrieben gehört, möchte ich hier den Blick auf den Debütroman der transsexuellen Schauspielerin Camila Sosa Villada lenken, welche in »Im Park der prächtigen Schwestern« ihre autobiografische Geschichte erzählt.

Wie sie von Christian zu Camila wird und das Leben bei ihrer Familie in der Provinz gegen das unbekannte Stadtleben eintauscht, in der Hoffnung dort einen Ort zu finden, an dem sie das sein kann was sie ist.

Im Sarimento Park, der grünen Lunge von Córdoba trifft Camila auf gleichgesinnte Paradiesvögel, die sich fortan gemeinsam ein selbstbestimmtes Leben, frei von jeglichen Konventionen erträumen und zu Verbündeten im Kampf gegen Intoleranz und für Akzeptanz einen Weg finden.

Das klingt nach einem prächtigen Paradiesvogel im Lektüreteich, bei dem man gerne direkt zugreifen möchte, oder nicht?

Wir hoffen, euch hat unsere sechste Destination auf unserer Reise »In 28/7 um die Welt« gefallen! Welche Bücher, die in Südamerika spielen könnt ihr empfehlen?

Schon morgen geht die Weltreise auf buchperlenblog.com weiter. Letzter Halt: ANTARKTIS!

4 Kommentare

  1. Liebste Bella!
    Deine Vorstellung der Goldenen Stadt hat definitiv mein Interesse geweckt! Allerdings werde ich mich Machu Picchu mit einem tatsächlichen Reisebericht nähern, da bin ich auch schon länger sehr gespannt drauf ❤️

    Es war eine tolle Reise mit dir, meine Liebe!

    • Liebste Gabriela,

      das klingt auch sehr verlockend, da werde ich auf jeden Fall bei dir vorbeihüpfen, wenn du dazu etwas schreibst! Am liebsten würde ich die Goldene Stadt ja auch mal im Real-Life besuchen, das stelle ich mir echt als ein ganz besonderes Erlebnis vor.

      Die Reise war einfach wunderbar, wir haben so viel Tolles zusammen entdeckt und hoffentlich auch Anreiz schaffen können, fernab der üblichen Handlungsorte, spannende Literatur zu finden.

      Herzlichst
      Deine Bella

  2. Schönen guten Morgen!

    Die Aktion finde ich wirklich toll – ich muss gestehen, dass ich beim Lesen zwar schon weit herumgekommen bin, aber grade Südamerika war da äußerst selten mit dabei…

    Eine schöne Möglichkeit, um mal wieder neue Buchtipps zu entdecken! Ich hab die Aktion deswegen heute gerne in meiner Stöberrunde geteilt :)

    Liebste Grüße, Aleshanee

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