{Rezension} Marlene Dietrich: Augenblicke eines Lebens von Julian Voloj & Claudia Ahlering


Lesedauer: 4 Minuten

Diva, Hollywoodstar und Stilikone: Marlene Dietrich fasziniert bis heute. Wohl keine andere deutsche Schauspielerin und Sängerin hat es geschafft, die Welt so in ihren Bann zu ziehen und internationale Berühmtheit zu erlangen. In dieser Comic-Biografie empfängt die Dietrich einen Journalisten für ein letztes Interview in ihrer abgedunkelten Pariser Wohnung. Ihre Erinnerungen sind dafür umso schillernder: die Anfänge ihrer Karriere in den Goldenen Zwanzigern, ihr Aufstieg zum Filmstar in Der Blaue Engel und ihr Erfolg in Hollywood. Auch ihre Liebschaften sowie ihr Engagement während des Zweiten Weltkrieges spielen eine Rolle.

Jede Szene dieser außergewöhnlichen Graphic Novel ist dabei durchdrungen von dem Flair, den Marlene Dietrich bis heute umgibt. Ihre androgyne Erscheinung in Hosenanzug und Zylinder fasziniert dabei ebenso sehr wie ihr Auftreten als Diva, die davon singt, dass sie „von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ sei. Marlene Dietrich ist eine Ikone, deren Anziehungskraft bis heute überdauert.

Fällt der Name Marlene Dietrich, hat man sogleich ein Bild von einer blonden Frau mit weit geschnittenen Hosen und Zylinder vor Augen, die mit ihrer divenhafter Ausstrahlung das Publikum in ihren Bann zieht. Mehr war mir bis dato über die Stilikone und Grand Dame von Hollywood nicht bekannt, daher reizte es mich auch ungemein, die Comic-Biographie »Marlene Dietrich: Augenblicke eines Lebens« von Julian Voloj und Claudia Ahlering zu lesen und mir ein genaueres Bild von der Ausnahmekünstlerin zu machen.

Julian Voloj vermittelt anhand eines fiktionalen Interviews mit der hochbetagten Marlene Dietrich in ihrer Pariser Wohnung, Ausschnitte aus dem Leben des Weltstars. Jedoch bietet diese Darstellung nur einen Blick auf die Inszenierung der Dietrich als Ikone ihrer Zeit. Zwar ist es etwas schade, dass dies selten ein Blick hinter die Fassade ermöglicht, der zauberhafte Glamour wird damit aber nicht zerstört (was ja auch etwas ganz Wunderbares an sich hat).


© Knesebeck Verlag/Claudia Ahlering

In »Marlene Dietrich: Augenblicke eines Lebens« zeichnet Julian Voloj ein eindrucksvolles Bild der Schauspielerin und Sängerin, die nach ihrem Erfolg in ›Der blaue Engel‹, einem der frühen Tonfilme, nach Amerika ging und dort erfolgreich in Hollywood Fuß fasste. Ihren Ehemann Rudolf Sieber und ihre Tochter blieben zunächst in Berlin, was Dietrichs Freigeist zugutekam. Später reisten Rudi und Maria ihr nach, doch die Ehe wurde nur noch durch freundschaftliche Verbundenheit weitergeführt und Rudi kehre alleine zurück nach Europa.


© Knesebeck Verlag/Claudia Ahlering

Die politische Lage in ihrem Heimatland wird immer brenzliger, sodass sie lange Zeit nicht einmal ihre Mutter in Berlin besuchen kann und auch ihre Karriere gerät ins Stocken, als der Krieg die Welt in Atem hält. Marlene Dietrichs Standpunkt zum nationalsozialistischem Regime Deutschlands wird schnell deutlich und um ein klares Zeichen zu setzten, wird sie zur amerikanischen Staatsbürgerin und sorgt für die Soldaten mit ihren Auftritten für Unterhaltung.

Kunstvoll illustriert, mit den aquarellierten Bilder von Claudia Ahlering, lässt es sich hervorragend in das bewegende Leben von Marlene Dietrich eintauchen. Allerdings muss ich sagen, dass mir die perspektivische Darstellung der Figuren nicht immer zugesagt hat. Die Gesamtkomposition der Panels und auch die großformatigen Zeichnungen, die mit wenig Text auskommen, haben mir aber sehr gut gefallen.

Mein Tipp zum vollendeten Genuss dieser Comic-Biographie: Das Abspielen von Marlene Dietrichs Musik ist die perfekte Hintergrunduntermalung, vor allem da Claudia Aherling oftmals nur Bilder und Liedzeilen sprechen lässt. Manchmal sagen Bilder und Musik einfach mehr als tausend Worte!

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Ein eindrucksvolles Porträt der Dietrich, das den Glanz und Glamour ihrer Person einfängt, aber auch erahnen lässt, wie es hinter dem Vorhang aussieht.

★★★★☆

*WERBUNG*

Titel: Marlene Dietrich: Augenblicke eines Lebens
Autor: Julian Voloj
Illustratorin: Claudia Ahlering
Genre: Comic, Biographie
Verlag: Knesebeck Verlag
ISBN-13: 978-3957283344
Format: Gebunden
Seitenanzahl: 128 Seiten
Preis: 24,00 €
Erschienen: 22. September 2021

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Julian Voloj ist Autor einer Reihe international erfolgreicher biografischer Graphic Novels, darunter Ghetto Brother (avant Verlag mit Claudia Ahlering), Joe Shuster: Vater der Superhelden (mit Thomas Campi), Ein Leben für den Fußball: Die Geschichte von Oskar Rohr (mit Marcin Podolec) und Basquiat (mit Soren Modal, alle Carlsen Verlag), sowie Die Judenbuche und Marlene Dietrich (Knesebeck) in Zusammenarbeit mit Claudia Ahlering. Er lebt in New York.

Quelle: Knesebeck Verlag

Claudia Ahlering studierte zunächst Freie Kunst und Illustration in Münster und Hamburg und später in Paris Malerei. Dort gründete sie das Zeichner-innenkollektiv »Spring«. Ihre Werke wurden in Hamburg, Berlin, London und Tokio ausgestellt. Ihre Debüt-Graphic-Novel Ghetto Brother, geschrieben von Julian Voloj, wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Heute lebt und arbeitet sie als Künstlerin und Milchbäuerin auf einem großen Biobauernhof in der Steiermark.

Quelle: Knesebeck Verlag


Gerne hätte ich noch mehr von Marlene als unabhängige Frau und ihrer kontroversen Mode und Beziehungen gelesen, doch die gewählten Augenblicke ihres Lebens zeichnen ebenfalls ein beeindruckendes Bild von ihr.
Nerd mit Nadel

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