{Rezension} Jason und das Goldene Vlies von Luc Verry, Clotilde Bruneau & Alexandre Jubran

Der kleine Jason, legitimer Thronerbe von Iolkos, ist der einzige Überlebende eines Massakers, das sein Onkel, der Verräter Pelias, beging. Von seiner Mutter in Sicherheit gebracht, wächst Jason in einer Höhle auf und lernt bei dem besten Lehrer Griechenlands: dem Zentauren Cheiron, der ihm die Künste der Musik, des Krieges und der Medizin beibringt…

Erwachsen geworden, erfährt er die Wahrheit über seine Herkunft, und er verlässt seinen Mentor, um sein Erbe einzufordern. Durch eine List seines Onkels sieht er sich jedoch gezwungen, die gefährlichste aller Missionen anzutreten: das Goldene Vlies zurückzubringen, einen ebenso kostbaren wie unzugänglichen Schatz…

Der Splitter Verlag hat sich seit Oktober 2019 einer Reihe um die »Mythen der Antike« angenommen, in der der ehemalige französische Bildungsminister Luc Ferry in Zusammenarbeit mit Clotilde Bruneau Szenarien für Comic-Adaptionen der griechischen Mythologie erarbeiten und gemeinsam mit verschiedenen Illustrator*innen nun zu neuem Leben erwecken. Zuletzt erschien mit der deutschen Übersetzung der abenteuerlichen Geschichte »Jason und das Goldene Vlies« mit Illustrationen von Alexandre Jubran der dritte Band aus dieser anspruchsvollen Reihe.


Illustration Vor- und Nachsatzpapier

In dieser fast 200-Seiten umfassenden Ausgabe haben sich Luc Ferry und Clotilde Bruneau der schwierigen Aufgabe gestellt, und nach der Ilias eine weitere komplexe Geschichte der griechischen Mythologie in ein spannendes Comic-Abenteuer verpackt. Dabei konnte sicherlich nicht auf alle Einzelheiten eingegangen werden aber in einem umfangreichen Anhang wurden wieder zahlreiche Zusatz-Informationen z. B. zu den Hintergründen der Argonauten, Figuren/Götter der Geschichte und Bedeutungen von Namen zusammengetragen und mit Abbildungen von Gemälden aufbereitet.


Aus »Jason und das Goldene Vlies«, Seite 11

Die Geschichte beginnt mit einer Episode über den böotischen König Athamas der durch eine Intrige seiner zweiten Ehefrau Ino dazu gezwungen wird seine Kinder Helle und Phrixos den Göttern zu opfern. Am Tag des Rituals erscheint jedoch ein Widder mit goldglänzendem Fell, der den Kindern zur Flucht verhilft. Doch Helle kann sich nicht auf dem Rücken des Widders halten und stürzt über dem Meer in ihren den Tod. Phrixos hingegen gelangt sicher nach Kolchis und wird bei König Aietes aufgenommen. Aus reiner Dankbarkeit übergibt Phrixos schließlich das Goldene Vlies als Geschenk an seinen Ziehvater.


Aus »Jason und das Goldene Vlies«, Seite 11

Der Erzählung über Jason beginnt mit dem Sturz seines Vaters Aison vom Thron von Iolkos durch dessen Halbbruder Pelias, welcher als Sohn des Meeresgottes Poseidon zu den Halbgöttern zählt. Bei der Eroberung der Macht ließ Pelias alle Kinder von Aison und Alkimede töten, nur Jason überlebte durch einen Zufall und wurde von seiner Amme gerettet. Als Mündel landet der Junge bei dem Zentauren Cheiron, in dessen Obhut auch schon andere griechische Jünglinge wie z. B. Achilles unterrichtet wurden, und sich nun auch Jasons Erziehung annimmt. Als die Zeit reif ist und Jason sein Recht als Thronerbe in Anspruch nehmen will, steht er vor schier unlösbaren Aufgabe, das Goldene Vlies zu besorgen. Durch seinen Aufruf an alle Griechen finden sich Helden und Halbgötter bei ihm ein und wagen mit der Unterstützung der Götter das Abenteuer. Die »Argonauten« müssen sich auf ihrer Reise so einigen Prüfungen und Herausforderungen stellen, nicht zuletzt Jason der sich auf Kolchis in die Magierin Medea verliebt.


Aus »Jason und das Goldene Vlies«, Seite 49

Genau das ist der Stoff, aus dem die Sagen der griechischen Mythologie gestrickt sind. Es ist ein wahres Erlebnis diese epische Geschichte in den detailverliebten Bildern des Künstlers Alexandra Jubran erleben zu dürfen. Ich habe jede Seite genossen und habe mich immer tiefer in die magische und schicksalhafte Geschichte Jasons hineingelesen. Auf seiner Reise zum Goldenen Vlies begegnet man Meeresungeheuern, Drachen und erhascht sogar einen Blick auf Prometheus der von Zeus höchstpersönlich im Kaukasusgebierge fest geschmiedet wurde. Das Ende des Comics war mir etwas zu abrupt und ich bin mir sicher, dass man dieses auch runder gestalten hätte können. Ich hätte es auf jeden Fall noch etwas in der wunderschön bebilderten Welt aushalten können! Im Ganzen betrachtet haben sich die Autoren mit Alexandra Jubran genau den richtigen Künstler für »Jason und das Goldene Vlies« herangezogen und ein opulentes Gesamtkunstwerk erschaffen.

Im Oktober 2019 erschien mit dem Titel »Daedalus & Ikarus« der erste Band aus der Reihe »Mythen der Antike« und im Dezember folgte »Die Ilias«. Weitere Ausgaben sind mit Erscheinungsterminen im Mai 2020 »Ödipus«, im Juli 2020 »König Midas« und im September 2020 »Perseus und Medusa« geplant. Die Originalreihe, für die 30 Bände geplant sind, darunter allerdings einige mehrbändige Titel, die in der deutschen Version in einem Band zusammengefasst werden, trägt im französischen den Titel »La Sagesse des mythes« und nahm bereits im Jahre 2016 ihren Lauf.

Wie auch schon bei den anderen erschienenen Ausgaben der »Mythen der Antike« eignet sich auch dieser abgeschlossene Comicband über die Abenteuer und Sagen von Jason und den Argonauten für Comic-Neulinge. Die Panels sind übersichtlich angeordnet und der Geschichte lässt sich gut folgen. Wer zudem einen leichten Einstieg in die Welt der griechischen Mythologie sucht, sollte hier auf jeden Fall zugreifen.


Ein prachtvoller Comic, der den Stoff über die Sagen und Abenteuer in der Antike in sich trägt.

★★★★☆

*WERBUNG*


Titel: Jason und das Goldene Vlies
Originaltitel: Jason et la Toison d’Or
Autoren: Luc Ferry & Clotilde Bruneau
Illustrator: Alexandre Jubran
Übersetzer: Harald Sachse
Genre: Comic, History, Mythologie
Verlag: Splitter Verlag
ISBN-13: 978-3962194185
Format: Gebunden
Seitenanzahl: 168 Seiten
Preis: 35,00 €
Erschienen: Februar 2020

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Luc Ferry wurde 1951 in Colombes geboren, studierte Philosophie und war von 2002 bis 2004 Bildungsminister in Frankreich. Während seiner Amtszeit wurde eine wichtige Maßnahme gegen Lese- und Rechtschreibschwäche unter den französischen Jugendlichen ergriffen. Er veröffentlicht regelmäßig politische und philosophische Sachliteratur.

Clotilde Bruneau wurde 1987 in Paris geboren, sie studierte Bildende Kunst und Film. Für die Comic-Reihe Mythen der Antike (org. La Sagesse des mythes) beschäftigte sich Bruneau mit der griechischen Mythologie und entwarf in Zusammenarbeit mit Luc Ferry das Szenario.


Nerd mit Nadel

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2 Kommentare

  1. Guten Abend,

    wow, sind die Bilder schön, wenn ich doch auch nur so zeichnen könnte. Atemberaubend! Ich liebe diese Detailverliebtheit.
    Und dazu noch eine gigantische Wissensvermittlung, so etwas hätte ich in der Schule benötigt, dann wäre die Antike nicht sooo trocken gewesen, wie sie eigentlich ja auch nicht ist.
    Danke für die Vorstellung.

    Liebe Grüße
    Tina

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