{Rezension} Schloss der Tiere 1: Miss Bengalore von Xavier Dorison & Félix Delep

Die Menschen sind weg. Im Schloss sind nur noch die Tiere verblieben: Hühner, Ziegen, Esel und Schafe rackern sich ab für den Ruhm des Präsidenten und seine grausame Hundemiliz. Es herrschen Diktatur und Terror…

Doch dann beschließt eine handvoll Tiere, in den Widerstand zu gehen.

Weltbekannt ist George Orwells gesellschaftskritische und dystopische Fabel »Farm der Tiere«, und auch wenn ich die literarische Vorlage bisher noch nicht gelesen habe, ist mir die Geschichte durch den Zeichentrickfilm noch vage im Kopf.

Xavier Dorison hat sich mit seiner auf vier Bände ausgelegten Comic-Reihe »Schloss der Tiere« dem Thema angenommen und mit der küstlerischen Unterstützung von Félix Delep, der mit »Miss Bengalore« sein Erstlingswerk vorlegt, eine wahrhaftige Hommage zu Orwells Klassiker aufs Papier gezaubert.


© Splitter Verlag

»Alle Tiere sind gleich. Aber manche sind gleicher als die anderen.«
Farm der Tiere, George Orwell

Gleich zu Beginn erlebt man hautnah die Auswirkungen der gnadenlosen Herrschaft auf dem von Menschen verlassenen und von Tieren regierten Bauernhof mit. Das Huhn Adelaide behält eines ihrer Eier für sich und verweigert die Abgabe an den Präsidenten und seine Hundemiliz.

Die repressive Gewalt der Republik, bei der die schwächeren Tiere von Stier Sivlio und seinen Hunden unterdrückt werden, bringen das Huhn ohne Umwege an den Pfahl, um dort von der Miliz zerfleischt zu werden.


© Splitter Verlag

Die Härte des Regimes, zu hohe Abgaben und der eigene Hunger sorgen bei einigen der Zwei- und Vierbeinigen Untertanen für immer größeren Unmut. Miss Bengalore ist alleinerziehende Katzenmutter und arbeitet für den Lebensunterhalt ihrer Familie bis zur Erschöpfung. Doch so kann es nicht weitergehen, das sieht auch ihre gute Gänsefreundin Magerite so.


© Splitter Verlag

Der Duft von Rebellion liegt in der Luft. Als die kleine Ratte Azelar an den Hof kommt und die Tiere mit einer Schattenspiel-Geschichte unterhält, die erst so richtig bewusst macht, in welcher Lage sie sich befinden, zettelt Miss Bengalore eine friedliche Revolution an. Zusammen mit dem Hasen-Gigolo Cäsar und unter der Anleitung Azelars sagt Miss Bengalore dem brutalen Regime, mit Köpfchen und Humor, den Krieg an.

Xavier Dorison hat seine Fabel mit prägnanten Tier-Charakteren bevölkert, die besonders durch das ausgezeichnete Minenspiel mit grotesker Menschlichkeit erfüllt werden. Im Kontrast dazu steht die Unmenschlichkeit der Diktatur durch Stier Silvio. Die Zeichnungen von Félix Delep sind unglaublich eindrucksvoll, denn er erzählt mit seinen Bildern fast mehr, als es der Text vermag. Von diesem Künstler werden wir bestimmt noch hören bzw. lesen. Ich freue mich schon sehr darauf, zu erfahren, wie es mit Miss Bengalore und ihrem Kampf für Gerechtigkeit weitergehen wird.


Die Geschichte ist leicht verständlich aufgebaut und den Panels lässt sich intuitiv folgen, sodass sich »Schloss der Tiere – Miss Bengalore« auch wunderbar für alle die den Einstieg in die Comic-Welt wagen wollen eignet.


Eine Fabel die geschickt mit den Emotionen der Leser*innen spielt und dabei einer Diktatur der Ausbeutung und Unterdrückung den Spiegel unter die Nase hält. Von der ersten bis zur letzten Seite Spannung und grandiose Illustrationen garantiert!

★★★★★

*WERBUNG*

Titel: Miss Bengalore
Reihe: Schloss der Tiere (Band 1 von 4)
Originaltitel: Le Château des Animaux 1: Miss Bengalore
Autor: Xavier Dorison
Illustrator: Félix Delep
Übersetzerin: Tanja Krämling
Genre: Comic
Verlag: Splitter Verlag
ISBN-13: 978-3962191856
Format: Gebunden
Seitenanzahl: 72 Seiten
Preis: 17,00 €
Erschienen: 12. Juni 2020

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* 1972 in Paris. Xavier Dorison studierte eigentlich an einer Hochschule für Wirtschaft, an der er auch ein Comic-Festival organisierte. Mit dem Skript für »Das dritte Testament« (gezeichnet von Alex Alice) gelang ihm jedoch auf Anhieb ein Bestseller, sodass er in der Folge nur noch als Autor tätig war. Alles, was Xavier anfasste, gelang: »Prophet« mit Matthieu Lauffray, »Heiligtum« mit Christophe Bec, »W.E.S.T.« mit Fabien Nury und Christian Rossi und nicht zuletzt »Undertaker« mit Ralph Meyer, sein bisher größter Erfolg. Dabei wechselt er scheinbar mühelos zwischen den Genres und Stilen, sodass ihm inzwischen sogar die legendäre Serie »Thorgal« anvertraut wurde.

Quelle: Splitter Verlag


Ich finde diese Adaption des Klassikers von Orwell mehr als gelungen.
Buchperlenblog

“Schloss der Tiere” ist unterhaltsam, lustig, traurig, mörderisch, brutal, schweißtreibend, schockierend und traumhaft zugleich.
Life4Books

Der Auftaktband bietet jedenfalls eine grandiose Modernisierung von „Farm der Tiere“ und zählt für mich jetzt schon zu den besten Comics des Jahres 2020.
Terminal Entertainment

Comikkunst | die zukunft (Christian Endres) | Der Büchernarr

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4 Kommentare

  1. Hi Bella,
    bereits auf Instagram habe ich bei dir das Cover entdeckt und war fasziniert. Deine Rezension macht mich schon wieder sehr neugierig, mein armer SuB :D. Ich mag allerdings die Idee einer Neuinterpretation von „Farm der Tiere“ total, zumal ich das Buch schon sehr mochte. Danke fürs Aufmerksam machen und die tolle Rezension.

    Viele Grüße
    Sandra

    • Hallo Sandra,

      die Illustrationen und die Geschichte zwischen den Buchdeckeln ist auch einfach sehr gelungen. Ich bin mir sicher, beim Kauf dieses Comics macht man nichts falsch :)

      Viele Grüße
      Bella

  2. Einen wunderschönen Sonntag wünsche ich dir,

    meine Güte, ist dieser Comic auffallend eindrucksvoll, schon allein vom Cover her. Die Zeichnungen der Tiere haben wirklich sehr prägnante Züge. Irgendwie Zeichentrick, irgendwie nicht – ich habe dafür keine passenden Worte.
    Danke jedenfalls für die Vorstellung.

    Liebe Grüße
    Tina

    • Hallo liebe Tina,

      die Zeichnungen sind sehr beeindruckend. Der Künstler hat hier eine unglaubliches Erstlingswerk zu Stande gebracht. Ich weiß genau was du meinst, die Zeichentrick-Tiere haben irgendwie so etwas Reales, authentisches und fast schon menschliches an sich. Das lässt sich nur schwer in Worte fassen.

      Liebe Grüße
      Bella

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