{Rezension} Stumptown (1) Der Fall des Mädchens, das sein Shampoo mitnahm (aber seinen Mini vergaß) von Greg Rucka & Matthew Southworth


Lesedauer: 4 Minuten

Dex Parios ist Chefin und einzige Angestellte des Detektivbüros »Stumptown Investigations« in einer der, sagen wir, wenig gentrifizierten Gegenden von Portland. Als Schnüfflerin ist Dex ein As, beim Würfeln eher nicht. Seit ihrem letzten Besuch am Spieltisch ist sie mehr als pleite – sie schuldet dem Casino schlappe 18 Riesen. Glücksspielmatriarchin Sue-Lynne wäre aber bereit, auf das Geld zu verzichten, wenn Dex ihre Enkelin zurückbringt, die spurlos verschwunden ist. Bedeutet das, dass Dex‘ Blatt sich wendet, oder wurde ihr eine noch miesere Hand ausgeteilt?

Starautor Greg Rucka hat in »Stumptown – Der Fall des Mädchens, das sein Shampoo mitnahm (aber seinen Mini vergaß)« mit Dexetrine Parios (kurz ›Dex‹ genannt) nach Andy (»The Old Guard«) eine weitere knallharte und starke Comic-Heldin geschaffen, die sich als Privatdetektivin alleine durchs Leben schlägt und sich dabei um ihren jüngeren Bruder Ansel kümmert.

Rucka wirft die Leser*innen gleich mitten in die Handlung und arbeitet dabei geschickt mit der Brisanz eines Ereignisses der Gegenwart, sodass er anschließend mit einer Rückblende und einem Countdown von zwei Tagen auf die Szene zusteuert. Das erzeugt gleich zu Beginn eine Sogwirkung, schließlich will man unbedingt erfahren, wer die agierenden Personen sind, was zu dieser Situation geführt hat und wie es danach weitergehen wird.


© Splitter Verlag/Matthew Southworth

Über den Fall von Dex möchte ich nicht viel verraten, aber sie ist mit ihrem Talent soweit bekannt, dass sie von einer Casino-Leiterin einen Gefallen einfordert. Sie soll ihre verschwundene Enkelin finden, wofür sie Dex die Spielschulden erlässt. Hinter der Sache steckt jedoch mehr als vermutet und Dex wird in eine verzwickte Familiengeschichte verwickelt.

Das dreckig-düstere Setting Portlands mit schummerigen Bars, einem kriminellen Netz und entsprechendem Ensemble ist neben Dex der wahre Star des Comics und wird in einem überschwänglichen Vorwort von Matt Fraction als sehr authentisch gelobt.

Die Illustrationen von Matthew Southwork passen mit ihren scharfen Ecken und Kanten und einem großzügigen Schattenspiel perfekt zur Handlung, jedoch hatte ich manchmal Schwierigkeiten die einzelnen Charaktere zuordnen zu können, da sie teilweise recht verwaschen dargestellt werden. Hier hätte ich mir manchmal eine etwas ›saubere‹ Ausarbeitung gewünscht.


© Splitter Verlag/Matthew Southworth

Wer auf coole Detektivstorys steht, wird hier vor allem mit einer spannenden Heldin belohnt, die unverfroren Selbstbewusst ist und nicht so leicht aufgibt. Jedoch bin ich mir sicher, dass Greg Rucke in diesem ersten Band nur an deren Oberfläche gekratzt hat und noch einiges mit Dex vorhat. Sicherlich wird sich mit einer Vertiefung von Dex und ihrem Umfeld auch das ganze Potential von »Stumptown« in den weiteren Bänden entfalten. Meine Neugier auf Dex Vergangenheit hat dieser Serienauftakt auf jeden Fall geweckt! Auf die Fortsetzung »Stumptown – Der Fall des Babys im Samtkoffer« muss jedoch nicht lange hingefiebert werden, denn diese erscheint bereits im Herbst 2021.

Wer sich dennoch die Zeit bis dahin gut vertreiben möchte, kann einen Blick auf die TV-Serie werfen, denn »Stumptown« wurde inzwischen auch mit Cobie Smulders (bekannt aus »Avengers«) in der Hauptrolle verfilmt.

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Neben Dex Parios sehen Columbo und Co. blass aus – also unbedingt zum erfrischend modernen Crime-Comic »Stumptown« greifen!

★★★★☆

*WERBUNG*

Titel: Der Fall des Mädchens, das sein Shampoo mitnahm (aber seinen Mini vergaß)
Reihe: Stumptown (Band 1 von 4)
Autor: Greg Rucka
Illustrator: Matthew Southworth
Übersetzerin: Katrin Aust
Genre: Comic
Verlag: Splitter Verlag
ISBN-13: 978-3967920260
Format: Gebunden
Seitenanzahl: 160 Seiten
Preis: 24,00 €
Erschienen: 1. Mai 2021

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