{Rezension} Simonelli von Denis Pfabe


Lesedauer: 3 Minuten

Der Requisiteur Jonathan Simonelli erhält den Auftrag für einen Filmdreh nach England zu reisen, um den Anker der Titanic nachzubauen. Doch eigentlich verfolgt er mit dieser Reise auch seine eigenen Pläne, denn das Schicksal hat ihm eine alte japanische Pistole in die Hände gespielt, in deren Griff ein Pin-Up-Foto eingearbeitet ist. Simonelli weiß nichts Genaueres über die Waffe, doch er bekommt viel Geld geboten und will nach dem Deal seinem Leben endlich den gewünschten Lauf verpassen und seine Tochter zurückgewinnen. Jedoch hat Simonelli keine Ahnung auf welch gefährliches Spiel er sich da eingelassen hat…

Ich hatte mal wieder Lust auf einen irrwitzigen Roman, der zu überraschen weiß und spannend zu lesen ist, sodass ich zu »Simonelli« von Denis Pfabe gegriffen habe.

Ehrlich gesagt wusste ich zuvor nicht worauf ich mich da eingelassen habe, aber die Beschreibung klang einfach nach einem surrealen Ganovenstück mit Charme und ich wollte sofort mehr über die Pistole mit dem sogenannten »Sweetheart-Grip«, einem Griff, in dem von Soldaten ein Foto von einer Frau/Geliebten eingearbeitet haben, erfahren.

»Ich besitze keine Dinge, sondern Geschichten. Geschichten, die an Dingen hängen,
die unbezahlbar sind.
Die gibt es kein
zweites Mal.«
Seite 284

Titelgebender Held der Geschichte ist der Requisitenbauer Jonathan Simonelli, der ein Auge für Details besitzt und einst für erfolgreiche Produktionen in Film und Fernsehen tätig war. Doch seine besten Zeiten sind mit über vierzig vorbei, die digitalisierte Welt hat den Handwerker eingeholt und aufs Abstellgleis verfrachtet.

Als ihm eine Waffe mit einem solch verzierten Griff in die Hände fällt und er ein lukratives Angebot dafür erhält, sieht er seine Chance gekommen, sein Leben endlich wieder in den Griff zu bekommen und mit seiner Tochter Kontakt aufzunehmen.

»Wissen Sie, was ich an Verlierern wie Ihnen mag? Sie kämpfen bis zum letzten Hemd.«
Seite 192

In England, wo Simonelli eine Attrappe des Ankers der Titanic für einen Film anfertigen soll, wird der Verkauf der Waffe vonstattengehen. Schnell wird klar, dass mehrere Parteien hinter der geschichtsträchtigen Pistole her sind. Wie gefährlich seine Situation ist, bemerkt er als ihm klar wird, dass die kriminelle japanische Organisation ›Yakuza‹ ihre Hände im Spiel hat.

Trotz des brisanten Plot-Cocktails hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte etwas zu gemächlich in Gang kommt und das, obwohl der Roman keine dreihundert Seiten umfasst. Denis Pfabes Erzählstil hält einen jedoch bei Stange, denn jeden Moment hat man das Gefühl, dass der Knoten platzt und man weggefegt wird. Tatsächlich sollte ich recht behalten und die fein konstruierte Geschichte beginnt im Verlauf des zweiten Drittels ihre ganze Pracht zu entfalten.


Nach kurzer Ladehemmung verblüfft Denis Pfabe mit einem absolut coolen Ganovenstück.

★★★★☆

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Titel: Simonelli
Autor: Denis Pfabe
Genre: Gegenwartsliteratur
Verlag: Rowohlt
ISBN-13: 978-3737101042
Format: Gebunden
Seitenanzahl: 288 Seiten
Preis: 22,00 €
Erschienen: 17. August 2021

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Denis Pfabe, geboren 1986 in Bonn, ist gelernter Kaufmann im Einzelhandel und studierte Medienkommunikation und Journalismus in Köln. Er ist Absolvent der Bayerischen Akademie des Schreibens, war Stipendiat der Autorenwerkstatt Prosa am Literarischen Colloquium Berlin und erhielt das Arbeitsstipendium der Kunststiftung NRW. Denis Pfabe lebt in Bonn und fährt drei Tage die Woche Gabelstapler in einem Baumarkt. Sein hochgelobter Debütroman «Der Tag endet mit dem Licht» erschien 2018.

Quelle: Rowohlt Verlag


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3 Kommentare

  1. Das Buch ist auch bei mir eingezogen und ich bin gespannt, ob es mir so gut gefällt wie dir. Danke für die schöne Rezension. :)
    Liebe Grüße
    Marie

    • Liebe Marie,

      wie toll! Ich hoffe, dich kann die Geschichte auch so gut unterhalten und wünsche dir ganz viel Freude beim Lesen :)

      Herzliche Grüße
      Bella

      • Liebe Bella,
        jetzt habe ich es auch gelesen. Leider hat mich die Geschichte nicht so abgeholt. Ich fand es auch sehr langatmig. Als sich am Ende der Kreis schließt, war das aber sehr gelungen.
        Lieben Gruß
        Marie

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