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Jugendliteratur

{Rezension} Lieber Feind von Jean Webster

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Titel: Lieber Feind
Originaltitel: Dear Enemy
Autorin: Jean Webster
Übersetzer: Ingo Herzke
Genre: Klassiker, Jugendliteratur
Verlag: Königskinder (Carlsen Verlag)
ISBN-13: 978-3551560452
Format: Gebunden
Seitenanzahl: 416 Seiten
Preis: 18,99 €
Erschienen: 21. März 2018 | Erstveröffentlichung 1915

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Beschreibung

Sallie McBride wird von ihrer besten Freundin und Collegekollegin Judy Abbott gebeten die Leitung des John-Grier-Waisenhauses zu übernehmen. Nach den ersten Zweifeln nimmt Sallie die Herausforderung an. Vor allem um sich ihrem galanten Verlobten zu beweisen. Die Verantwortung für über 100 Waisenkinder zu übernehmen und ein Heim dem es an Verbesserungen mangelt in neuem Licht erstrahlen zu lassen sind jedoch keine leichte Verpflichtungen. Mit viel Energie und Tatendrang geht Sallie ihre Aufgabe an und macht sich dabei den betreuenden Kinderarzt Dr. Robin MacRae zu ihrem liebsten Feind.

Meine Meinung

Nachdem der Königskinder Verlag (Imprint des Carlsen Verlags) bereits Jean Websters klassischen Briefroman „Lieber Daddy-Long-Legs“ in neuem Glanz erstrahlen ließ, gibt es nun auch den Folgeband „Lieber Feind“ im letzten Programm des Verlages zu bewundern. Das Cover besticht durch ein hübsches florales Erscheinungsbild und die abgebildeten Silhouette einer lesenden Dame. Durch die rosa Farbgebung hebt sich das Buch optisch von seinem Vorgängerband ab. Im Buchinneren gibt es wieder einige Illustrationen von Franz Renger zur Ergänzung und Auflockerung der einzelnen Briefe.

Jean Webster ist sich ihrem Stil treu geblieben und hat auch „Lieber Feind“ in Briefform aufgebaut. Dieses Mal bekommt der Leser Briefe von Sallie McBride zu Gesicht die sich vorrangig an ihre Freundin Judy Abbott richten oder auch mal an ihren liebsten Feind, den Kinderarzt des Waisenheims und ihren Verlobten in Spe. Genau wie im Vorgängerband werden die Antworten auf die Briefe (Sallies) ausgelassen, allerdings hat sich doch etwas geändert – während Judy einfach keine Beantwortung erhielt, nimmt Sallie oftmals Bezug auf die erhaltenen Briefe. Hier kann man jedoch einfach die eigene Fantasie spielen lassen, so dass die Geschichte daran keinen Abbruch nimmt.

Ich könnte tausend Mädchen mit goldenen Locken und Grübchen vermitteln, aber ein guter, lebhafter Junge zwischen neun und dreizehn ist ein echter Ladenhüter.

Lieber Feind, Seite 67

Im Vordergrund der Briefe steht Sallies Weg zur Heimleiterin, welche Aufgaben sie als solche wahr nimmt und die diversen Probleme die ihre neue Arbeit im Waisenheim mit sich bringen. Besonders gut hat mir der lockere Stil in den Briefen gefallen der erfrischend und humorvoll zugleich gehalten ist. Die Lust am weiterlesen steigerte sich von Seite zu Seite, da man einfach wissen möchte wie sich das Schicksal der Waisenkinder entwickelt. Hierbei wird nicht die Gesamtheit der über 100 Waisenkinder betrachtet, sondern das Licht fällt auf ein paar einzelne Mädchen und Jungen.

Diese Arbeit mit Kindern hat etwas Hypnotisches. Man kann sich wehren, sosehr man will, am Ende kriegen sie einen.

Lieber Feind, Seite 243

Sallie McBride wollte sich nur unter Beweis stellen und hatte niemals vor die Arbeit als Heimleiterin lange auszuüben. Mit der Zeit wachsen ihr die Waisen und ihre eigene Rolle in deren Leben so sehr ans Herz, dass sie sich eine andere Zukunft ohne die Kinder und das John-Grier-Heim gar nicht mehr vorstellen kann.

Mit „Lieber Feind“ hat Jean Webster einen Klassiker erschaffen, der einen Einblick in die Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts bietet und ein authentisches Zeitzeugnis über die Versorgung von Waisenkindern zu dieser Zeit ablegt. Im Nachwort wird nochmals auf den damaligen Umgang und die medizinische Meinung zur genetischen Vererbung (Eugenik) eingegangen. Aus heutiger Sicht kann die damalige Abwertung von Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen nur kritisch gesehen werden. So kann die über 100 Jahre alte Lektüre auch heute noch lehrreich und wichtig für das geschichtliche Verständnis sein.

Information zur Reihe

1. 2017 Lieber Daddy-Long-Legs 1912 Daddy-Long-Legs
2. 2018 Lieber Feind 1945 Dear Enemy

Fazit

Ein herzlicher und sehr charmanter Briefroman der für herrliche Lesestunden sorgt.

★★★★★




Über den Autor

Jean Webster, eigentlich Alice Jane Chandler Webster (1876 – 1916), war eine amerikanische Schriftstellerin und Journalistin und eine Nichte von Mark Twain. Sie studiert Englisch und Ökonomie am Vassar College. Ihr berühmtester Roman ist der Briefroman „Daddy-Long-Legs“. Er wurde mehrfach verfilmt, in viele Sprachen übersetzt, und ist seit 1947 in verschiedenen Ausgaben auch auf Deutsch erschienen.

(Quelle: Königskinder Verlag/Foto: © privat)






Weitere Rezensionen

Ein sehr schöner Briefroman zum neu entdecken, der hervorragend die persönliche Entwicklung und das charakterliche Reifen einer jungen Frau beschreibt, die ihren Platz erst finden muss und dabei selbst viel Liebe und Leben ausstrahlt.
Lesestunden

„Lieber Feind“ ist eine gelungene Fortführung von „Daddy-Long-Legs“, wenngleich das Buch nicht ganz an diesen Roman herankommt.
Irve liest

Eine unterhaltsame und doch auch zum Nachdenken bringende Lektüre. Eine Lektüre, die mir so viel Spaß gemacht hat und die für mich noch viele 100 Seiten mehr haben könnte.
Bücher ohne Ende

Auch wenn Lieber Feind schon über 100 Jahre alt ist, hat er in all den Jahren nichts von seinem Charme verloren.
Nicoles Bücherwelt


Deine Meinung dazu...

Ein Kommentar to “{Rezension} Lieber Feind von Jean Webster”

  1. Liebe Bella,
    auf dieses Schätzchen freue ich mich schon sehr!
    Schön, dass dir die Fortsetzung so gut gefallen hat.
    Lieber Daddy Long Legs fand ich schon total schön.
    Und spannend, dass man auch heute noch was dazu lernen kann und was aus der Lektüre mitnehmen kann.
    So ging es mir beim 1. Band mit Judys Weltblick und de Tatsache, dass sie auch die kleinen Dinge schätzt.

    Liebe Grüße,
    Nicci

    Posted by Nicci Trallafitti | 11. Juni 2018, 16:43

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