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Klassiker

{Rezension} Meine Cousine Rachel von Daphne du Maurier

Titel: Meine Cousine Rachel
Originaltitel: My Cousin Rachel
Autorin: Daphne du Maurier
Übersetzerinnen: Brigitte Heinrich, Christel Dormagen
Genre: Klassiker
Verlag: Insel Verlag
ISBN-13: 978-3458361978
Format: Taschenbuch
Seitenanzahl: 415 Seiten
Preis: 12,00 €
Erschienen: Januar 2017

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Beschreibung

Bereits früh verlor der junge Philip Ashley seine Eltern, daher wächst er bei seinem Vetter und überzeugten Junggesellen Ambrose in Cornwall auf. Die beiden Männer führen ein behagliches Landleben bei dem ihnen nichts zu Fehlen scheint, am allerwenigsten eine Frau. Ambrose Gesundheit verschlechtert sich jedoch und reißt ihn aus seinem Alltag heraus. Um wieder gesund zu werden unternimmt Ambrose Reisen in den Süden. Während seiner Abwesenheit schreibt er Briefe an Philip, aus diesen hervorgeht, dass Ambrose sich mit ihrer Cousine Rachel vermählt hat. Es treffen immer weniger Briefe ein, die Inhalte werden zunehmend verwirrend, zusammenhanglos und alarmierend – so dass Philip beschließt nach Florenz zu reisen um Ambrose aufzusuchen.

Als Philip vor Ort eintrifft ist Ambrose bereits tot, von der Witwe Rachel fehlt jegliche Spur. In Trauer und Wut entbrannt, voller Rachegelüste, kehrt Philip nach Cornwall zurück. Eines Tages steht Rachel, das Objekt seiner Rachegedanken, vor der Tür und sie ist so vollkommen anders als erwartet. Es dauert nicht lange bis auch Philip dieser geheimnisvollen Frau verfällt.

Meine Meinung

„Meine Cousine Rachel“ von Daphne du Maurier ist ein Klassiker des 20. Jahrhunderts, dessen Geschichte im ländlichen Cornwall (irgendwann im 19. Jahrhundert) spielt. Am 13. Juli 2017 kommt die Verfilmung des Romans in die Deutschen Kinos. Passend dazu hat der Suhrkamp Verlag den Roman in einer kompletten Neuübersetzung von Brigitte Heinrich und Christel Dormagen heraus gebracht. Bisher hatte ich die Autorin Daphne du Maurier nicht auf dem Leseradar und habe dies nun schleunigst geändert!

Meine treuen Leser haben sicherlich schon mitbekommen das ich zwischendurch auch mal gerne zu klassischer Literatur greife und mich in den Wogen dieser bedächtigen, umschmeichelden Sprachkünste verliere die vortrefflich gesellschaftliche Aspekte aufgreifen. Mit „Meine Cousine Rachel“ von Daphne du Maurier gelingt das zu 100 Prozent.

Im Mittelpunkt steht der 24-jährige Philip der seinem Vetter und Vaterersatz Ambrose unglaublich ähnelt. Beide Männer sind Einzelgänger, sehr naturverbunden und lieben ihr einfaches Leben im gemütlichen Herrenhaus in Cornwall ohne jegliche gesellschaftlichen Verpflichtungen. Auf Anhieb mochte ich diese unkomplizierten und liebevoll gestalteten Charaktere.

Wir waren Träumer, alle beide, unpraktisch, scheu, den Kopf voll großartiger Theorien, die sich nie bewähren mussten, und wie alle Träumer, gingen wir schlafwandelnd durch die Welt.

Seite 14

Bereits nach wenigen Seiten hatte mich Daphne du Maurier auch mit ihrer Geschichte am Haken. Zwei überaus liebenswerte und charismatische Herren die nicht die geringste Absicht hegen jemals eine Frau in ihr Leben zu lassen, und dann kommt doch alles anders als erwartet. Das vertraute Verhältnis zwischen Philip und dem gut zwanzig Jahre älteren Ambrose wird auf die Probe gestellt. Ambrose verliebt sich in Rachel, heiratet diese schließlich, und bevor Philip ihn noch einmal zu Gesicht bekommt, verstirbt er unter mysteriösen Umständen. Alles was Philip bleibt sind verstörende Briefe von Ambrose, nagende Eifersucht und der Verdacht, dass Rachel die Schuld an der ganzen Tragödie trägt.

Der so angsterfüllte, scheinbar so endlose Tag war nun vorüber, und ich hätte partout nicht sagen können, ob er sich zu meinem Vorteil oder Nachteil entwickelt hatte.

Seite 112

Diese Ungewissheit zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Roman und verleiht der Geschichte eine besonders geheimnisvolle Atmosphäre. Zuerst der Verdacht gegen Rachel den Philip aus Ambrose Briefen zieht, seine unglaubliche Wut gegen Rachel als er mit Ambrose Tod konfrontiert wird, und der Nährboden für eine tiefe Rache ist bereitet. Schließlich lernt Philip die junge Frau kennen, nur die Bilder die in seinem Kopf entstanden sind wollen einfach nicht mit der Person übereinstimmen die er nun kennen lernt. Rachel ist sympathisch, herzlich und packt gutmütig überall mit an. Trotz aller Zweifel und jeglicher Abneigung gegen eheliche Bindungen, beginnt Philip sich in diese undurchschaubare Frau zu verlieben.

»Ich wage die freche Behauptung«, verkündete ich, »dass die Segnungen ehelichen Glücks nicht ganz das sind, was immer behauptet wird. Wenn ein Mann sich Wärme und Behaglichkeit wünscht und etwas Schönes zum Anschauen dazu, so kann ihm all das sein eigenes Haus schenken, wenn er pfleglich damit umgeht.«

Seite 189

Die Geschichte wird aus Philips Perspektive erzählt, so dass sich der Leser unweigerlich in seine Situation hineinversetzt fühlt und sich mit seinem Schicksal identifizieren kann. Zeitweise hat es mich schier wahnsinnig gemacht, die nüchternen Fakten die gegen die Unschuld von Rachel sprechen mit der liebevollen und fürsorglichen Witwe in Einklang zu bringen. Ist Rachel wirklich so berechnend, nur auf Geld und Besitz aus, ohne Rücksicht auf Verluste? Oder trifft doch eher die herzzerreißende Geschichte über tiefe Liebe und tödliche Tumorerkrankung zu? Trotz diverser alarmierender Signale, die eher für die erste Variante sprechen, scheint sich Philip geradewegs in sein Verderben zu stürzen. Am Ende bleibt nur nagende Ungewissheit…

„Meine Cousine Rachel“ bietet eine emotionale XXL-Karussellfahrt bei dem auch dem stärksten Gewissen schwindelig werden kann. Bei dem gemächlichen Handlungsverlauf kann es evt. dem ein oder anderen Leser etwas langweilig werden, ich für meinen Teil habe aber jede wunderschön geschriebene Zeile genossen. Einen kleinen Abzug muss ich aufgrund des offenen Endes dennoch vornehmen. Die liebe Daphne du Maurier kann uns doch nicht einfach mit dieser Gewissensfrage alleine lassen?!?!

Über die Autorin

Daphne du Maurier wurde 1907 in London geboren und entschied sich im Alter von 19 Jahren nach einer Ferienreise an die cornische Küste, diesen Ort fortan nicht mehr zu verlassen. Alle ihre Romane lässt sie in Cornwall spielen: Jamaica Inn, Das Wirtshaus im Bodmin Moor, Meine Cousine Rachel und natürlich Rebecca, 1938 erschienen und von Hitchcock verfilmt. Daphne du Maurier starb im Alter von zweiundachtzig Jahren in Kilmarth. (Quelle: Suhrkamp/Insel Verlag)

Fazit

Ein lesenswerter Klassiker voll subtiler Spannung vor dem atmosphärischen Hintergrund Cornwalls.

★★★★☆

Deine Meinung dazu...

8 Kommentare to “{Rezension} Meine Cousine Rachel von Daphne du Maurier”

  1. Ich habs heute mittag beendet und lande auch bei 4 Sternen. Es kommt nicht ganz an das überragende „Rebecca“ heran, aber fast. Ich will auf jeden Fall auch den Film sehen und bin gespannt, ob er das subtile Grauen und die Atmosphäre einfängt. Schöne Rezension!

    Posted by Devona | 28. März 2017, 20:10
  2. Mir geht’s wie Dir, ich hatte Daphne du Maurier auch nicht auf dem Leseradar. Ich nehme mir immer mal wieder vor, auch ab und zu einen Klassiker dazwischen zu streuen, und dann lenken mich die Neuerscheinungen immer wieder ab.
    Ich muss aber zugeben, dass zum Beispiel „Meine Cousine Rachel“ so klingt, als würde es genau meinen Lesegeschmack treffen. Vielleicht sollte ich es doch einmal mit diesem Buch probieren – besonders die Aussicht, auch gleich im Sommer noch eine Verfilmung davon im Kino sehen zu können, ist ein zusätzlicher Anzeiz, der besticht!

    LG Gabi

    Posted by laberladen | 7. April 2017, 18:43
    • Hallo liebe Gabi,
      der Reiz von Neuerscheinungen macht mir auch immer wieder einen Strich durch die Rechnung was das Lesen von Klassikern betrifft. Ich habe noch so viele Klassiker auf meiner Liste stehen die ich unbedingt lesen möchte.

      Da ist so ein anstehender Film wirklich eine motivierende Sache :)

      Solltest du das Buch wirklich lesen, bin ich sehr gespannt wie es dir damit ergeht!

      Liebe Grüße
      Bella

      P. S.: Nachdem mir das Buch so gut gefallen hat hab ich auch gleich mal Daphne Du Mauriers Roman „Rebecca“ auf meiner Wunschliste gesetzt.

      Posted by Bella | 7. April 2017, 20:47
      • Ich hab gleich Nägel mit Köpfen gemacht und die Cousine online bestellt. Wenn ich das Buch einmal körperlich auf dem SUB liegen habe, sind die Chancen größer, dass ich es lese. Und auch zu Rebecca gibt es eine tolle Verfilmung (oder vielleicht sogar mehrere?).

        LG Gabi

        Posted by laberladen | 7. April 2017, 20:51
        • Hi Gabi,
          das ist ja wunderbar :)
          Ich habe gleich mal nachgesehen – es scheint laut Amazon mehrere Filme zu „Rebecca“ zu geben. Darunter eine von Alfred Hitchcock.
          Liebe Grüße
          Bella

          Posted by Bella | 7. April 2017, 21:46
  3. Weiß jemand wieso Daphne du Maurier zurzeit in aller Munde ist? Gab es irgendeinen Jahrestag oder haben sich einfach alle Blogger gleichzeitig daran gemacht diese Autorin für sich zu entdecken? Ich habe leider noch nichts von ihr gelesen, aber da alle so positive Leseerfahrungen mit den Romanen haben wie du, stehen sie ganz oben auf meiner Wunschliste. Besonders diese leicht gruslige Atmosphäre finde ich super. Hast du schon „We have always lived in the Castle“ von Shirley Jackson gelesen? Ich glaube, das könnte sich ähnlich sein. :)

    Posted by frannym | 9. April 2017, 18:05
    • Hallo Franny,
      ich glaube das könnte daran liegen, dass „Meine Cousine Rachel“ dieses Jahr als Film in die deutschen Kinos kommt. Ich finde es Klasse das dadruch auch Mal wieder Klassiker ins „Rampenlicht“ gerückt werden.

      Der Roman war mein erster Daphne du Maurier – aber bestimmt nicht mein Letzter! Ich denke als nächstes möchte ich Rebecca lesen :)

      Das Buch von Shirley Jackson kenne ich nicht. Der Titel gefällt mir aber schonmal sehr gut. Der kling ja sehr mysteriös und geheimnisvoll. Werde mir das gleich mal anschauen.

      Liebe Grüße
      Bella

      Posted by Bella | 10. April 2017, 18:48

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