{Rezension} Dionysos von Luc Ferry, Clotilde Bruneau & Gianenrico Bonacorsi


Lesedauer: 3 Minuten

Die Umstände der Geburt des Dionysos, Sohn des Zeus und der Sterblichen Semele, waren so außergewöhnlich wie dramatisch. Er wuchs im Geheimen unter den Bewohnern des Olymp auf, verborgen vor dem eifersüchtigen Zorn Heras, und musste seinen Platz in der Welt lange suchen. Seinen Anhängern beschert er grandiose Orgien und rauschende Feste, und die Zahl seiner Verehrerinnen ist Legion. Doch wo er seinen Getreuen Wein, Gesang und lustvolle Zerstreuung bietet, zeigt er seinen Feinden gegenüber oder jenen, die ihn als Gott missachten, eiskalten Zorn und straft sie mit zerstörerischem Wahnsinn…

Der Gott von Wein und Exzess ist eine der interessantesten und am schwersten fassbaren Figuren des antiken Pantheons – dieses Comicalbum bietet einen spannenden Zugang zu einer Schlüsselfigur der griechischen Mythologe.

In dieser Ausgabe der »Mythen der Antike« haben Luc Ferry und Clotilde Bruneau einige Legenden aus dem Leben des »Dionysos«, Halbgott des Weines, der Fruchtbarkeit und des Wahnsinns zusammengetragen. Für Fans dieser Reihe ist Dionysos kein ganz Unbekannter, denn in einigen Mythen hatte dieser bereits den ein oder anderen Gastauftritt.


© Splitter Verlag/Gianenrico Bonacorsi

Als Kind des Göttervaters Zeus und der sterblichen Semele ist Dionysos etwas ganz Besonderes unter den Olympiern, denn er wurde nach dem Feuertod seiner Mutter von Zeus in seinen Oberschenkel eingebettet und dadurch ein zweites Mal geboren. Aus Angst vor Heras Neid auf die Frucht einer anderen Frau, wird Dionysos im Geheimen gehalten und wächst als Mädchen verkleidet oder gar in eine Ziege verwandelt zu einem Mann heran, der seinen Platz sucht.

Die einzelnen Episoden über Geburt, Heranwachsen und das Finden seines Platzes unter den Olympiern zeigen die verlockende Seite Dionysos Religion, deren Zügellosigkeit dem Halbgott eine große Anhängerschaft beschert. Doch Dionysos eckt mit seinem Charakter und seiner femininen Ausstrahlung bei vielen an und lässt gegenüber seinen feindselig gesinnten Gegnern keinerlei Gnade walten. Ganz im Gegenteil, denn gegenüber ihnen spielt er seine ganze brachiale Macht und List aus, ohne Grenzen zu kennen.


© Splitter Verlag/Gianenrico Bonacorsi

Da es sich um keine fortlaufende Erzählung handelt, sondern um Ausschnitte, bei denen auch in der zeitlichen Anordnung gesprungen wird, hinterlässt die Gesamtkomposition einen ungeordneten Eindruck auf mich. Natürlich passt das zum Chaos, dass Dionysos verbreitet, jedoch würde ich diese Ausgabe dadurch nicht für Comiceinsteiger empfehlen.

Für die künstlerische Gestaltung ist Gianenrico Bonacorsi verantwortlich, der sich mit seinen filigranen Zeichnungen zu »Dionysos« in die Riege der wunderbaren Illustratoren zu den Griechischen Mythen einreiht.

Zur Abrundung und Vertiefung der Materie gibt es im Anhang wie gewohnt von Luc Ferry aufbereitetes Zusatzmaterial, welches sich eingehender mit der Materie auseinandersetzt und zusätzlich mit Abbildungen von Gemälden berühmter Maler punktet.

Seit Oktober 2019 wurden bereits fünfzehn überaus lesenswerte Titel aus der Reihe »Mythen der Antike« herausgebracht. Meine Rezension zu dreizehn der jeweiligen Ausgabe ist mit dem Comic-Cover verlinkt.

Lust auf mehr von diesen ansprechend gestalteten Fabeln und Geschichten der griechischen Mythologie? Dann kannst du dich auf weitere Ausgaben freuen. Bereits erschienen ist »Tantalos«, weitere Ausgaben sind für Juli 2022 mit »Sisyphos & Asklepios« und für September 2022 mit »Gilgamesch« angekündigt.


Das wohl verruchteste Kapitel der griechischen Mythologie zeigt wie Genuss und Wahnsinn in einer Gottheit vereint sind: Dionysos. Von Gianenrico Bonacorsi in ansprechende Panels gebettet, machen die einzelnen Kapitel aus dem Leben des Weingottes ein prächtiges Leseerlebnis für Mythen-Fans!

★★★★☆

*WERBUNG*

Titel: Dionysos
Reihe: Mythen der Antike
Autoren: Luc Ferry, Clotilde Bruneau
Illustrator: Gianenrico Bonacorsi
Übersetzer: Harald Sachse
Genre: Comic
Verlag: Splitter Verlag
ISBN-13: 978-3967922059
Format: Gebunden
Seitenanzahl: 56 Seiten
Preis: 16,00 €
Erschienen: 23. Februar 2022

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Luc Ferry wurde 1951 in Colombes geboren, studierte Philosophie und war von 2002 bis 2004 Bildungsminister in Frankreich. Während seiner Amtszeit wurde eine wichtige Maßnahme gegen Lese- und Rechtschreibschwäche unter den französischen Jugendlichen ergriffen. Er veröffentlicht regelmäßig politische und philosophische Sachliteratur.

Clotilde Bruneau wurde 1987 in Paris geboren, sie studierte Bildende Kunst und Film. Für die Comic-Reihe Mythen der Antike (org. La Sagesse des mythes) beschäftigte sich Bruneau mit der griechischen Mythologie und entwaf in Zusammenarbeit mit Luc Ferry das Szenario.


Auch Dionysos reiht sich in die fabelhafte Reihe der Mythen der Antike von Luc Ferry ein und man kann nur eines hofen: Hoffentlich ist es noch lange nicht vorbei mit diesem schier endlosen Schatz an Mythen und Sagen aus dem alten Griechenland.
Buchperlenblog

Der neuste Band in der Mythen der Antike Reihe, rund um Weingott Dionysos bleibt zwar unterhaltsam, weist im Vergleich zu den anderen Bänden jedoch ein paar Schwächen auf.
Miss Pageturner

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